Spiegel Art Steffen Noack in Weißwasser / NOL   Türverglasungen und Spiegel, Restauration von barocken Spiegel im Dresdner Grünen Gewölbe  
Maßanfertigung von Spiegel und Glas
SPIEGEL ART • Steffen Noack • Krumme Straße 17-29 • 02943 Weißwasser • Tel.: 0 35 76 / 24 33 83 • Fax: 0 35 76 / 24 33 44 •
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Der neue Katalog

Weltrekordversuch

Historische Spiegel - Barockspiegel

Sie sehen auf dem Foto eines der acht Schatzkammerräume des Grünen Gewölbes, die durch die Entwürfe August des Starken in der Zeit von 1723-1729 entstanden sind - das Silbervergoldete Zimmer. Der Grundgedanke des Kurfürsten für die Schaffung des ersten Museums der Welt lag einerseits in der Aufbewahrung, aber andererseits auch in der Präsentation des sächsischen Staatsschatzes.

Silbervergoldetes Zimmer im Grünen Gewölbe in Dresden
Historisches Grünes Gewölbe im Dresdner Residenzschloss, Silbervergoldetes Zimmer
Foto: Rainer Boehme, Dresden
Eine Besonderheit des historischen Interieurs des Barocks in Europa ist der Einsatz des Spiegels. Die Erfindung des Spiegels war auf Grundlage der Entwicklung des Guss- und Walzverfahrens zur Flachglasherstellung um 1670 in Frankreich erst möglich.

August der Starke war von der optischen Wirkung der Spiegel, die er auf der Leipziger Messe gesehen hatte, so begeistert, dass er vier Räume des Grünen Gewölbes mit hohem Aufwand nahezu komplett verspiegeln ließ.

Jetzt nach ca. 280 Jahren zeigen die Spiegel gewisse Verfallserscheinungen. Die Spiegel des Grünen Gewölbes gingen größten Teils in den Kriegswirren für immer verloren. Diese mussten, um das Grüne Gewölbe wieder in den Glanz von 1729 zu versetzen, unbedingt ergänzt werden.

Dazu war es notwendig, dass alte Verfahren wieder zu beleben, da die Wirkung der Spiegel von dem eingesetzten Glas und der spiegelnden Schicht abhängig ist. Die heute üblichen Silbernitratspiegel werden der noblen, grauen Raumschließenden Wirkung der Quecksilber-Zinn-Amalgam-Spiegel in keiner Weise gerecht.

Prof. G. Glaser, Sächsischer Landeskonservator i. R. bringt es 2003 auf den Punkt: "Die Kostbarkeiten des Grünen Gewölbes würden vor ihnen (den Silberspiegeln) wie in der Schmuckabteilung eines Kaufhauses wirken."

Meine Aufgabe bestand darin, Spiegel nach der originalen, historischen Technologie wieder herzustellen. Nach umfangreichen Baumaßnahmen, ein geeignetes Labor musste eingerichtet werden, experimentierte ich ab 2004. Mitte 2005 konnte ich dem Fraunhofer Institut Dresden meine ersten Proben zur Untersuchung vorlegen. Unter dem Elektronenmikroskop konnte kein Unterschied zu den noch vorhandenen Spiegeln vom Anfang des 18.Jh. gefunden werden. Diese Spiegel werden genauso altern wie die im 17./18.Jh. gefertigten.
Die Herstellung der Spiegel nach dem alten Verfahren konnte beginnen.

Deutsche Welle TV hat im April 2006 einen Beitrag über unsere Arbeiten (Barockspiegel) im Grünen Gewölbe ausgestrahlt.


Dresdner Residenzschloss Dresden – Historische Grüne Gewölbe

Der Spiegelbelag - Der große Unterschied

Das Problem:

„Vor herkömmlichen Silber-Nitrat-Spiegeln wirken die
Pretiosen des Grünen Gewölbes wie in einem Kaufhaus“
Prof. Glaser im August 2003

Weißsilberzimmer
Foto: Ronald Bonss / Momentphoto.de

Der Unterschied zwischen den heutigen und historischen Spiegeln ist vor allem der Belag.
Die optische Wirkung, das Spiegeln an sich, erfolgt immer über das für den Belag verwendete Metall. So spiegelt bei den jetzt gebräuchlichen Spiegeln Silber, bei den bis ungefähr 1900 hergestellten Spiegeln ein Quecksilber-Zinn-Amalgam.

Das belegte Glas spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Farbe und Stärke des Glases beeinflußt die optische Wirkung des Spiegels im geringen Maße, sollte aber bei Restaurierungen beachtet werden.
Der Reflektionsgrad bei den heutigen Spiegeln liegt bei ca. 90 %, bei den damaligen, jetzt historischen Spiegeln, liegt dieser nur bei 60 %. In dem verspiegeltem Raum wirkt das Licht viel gedämpfter, edler.

Dabei ist kein Unterschied zwischen natürlichem und künstlichem Licht vorhanden. Der Spiegel an sich erscheint in einem noblen Grau und unterstützt das historische Interieur.

Ein Silbernitratspiegel öffnet auf Grund des hohen
Reflektionsgrades
Reflektionsgrad:
Das Verhältnis zwischen dem in den Spiegel einfallenden,
zum wieder heraus kommenden Lichte. Die Differenz wird
von dem entsprechenden Metall und Glas absorbiert.
  den Raum, er wirkt optisch um ein vielfaches größer. Vergoldete Rahmen, Zierleisten etc. verlieren sich im Raum. Sie scheinen in der Luft zu hängen. Der niedrige Reflektionsgrad der Quecksilber-Zinn-Amalgam-Spiegel dagegen umschließt den Raum, er vergrößert diesen nicht. Die Wirkung ist raumschließend.
Vergleich Silbernitratspiegel und historischer Spiegel (oben)
Vergleich Silbernitratspiegel (unten) und Amalgamspiegel (kleines Muster oben)
 

Es gibt nur eine Lösung:

Die Wiederaufnahme des alten Herstellungsverfahrens aus dem 17./18.Jahrhundert.

Nach zweijähriger Entwicklungsarbeit bezüglich der Technologie und der technischen Ausstattung ist es unserem Unternehmen gelungen, Historische Spiegel so wieder herzustellen, dass es keinen Unterschied zu den noch vorhandenen Originalen gibt. Das Fraunhofer Institut bestätigte in seinem Bericht vom 17.03.2005 „... das es keinen Unterschied zu den originalen Spiegeln gibt...“

Die Bilder 1 und 2 zeigen zum Vergleich metallographische Querschliffe originaler und neuer Zinnamalgamspiegel. Dabei ist zu erkennen, dass die Schichtstrukturen sehr ähnlich sind.

Die Zinnamalgamschichten bestehen aus zwei Phasen, welche in den Gefügebildern hellgrau und weiß erscheinen. Die überwiegende, hellgraue Phase enthält in ihren Kristalliten etwa 78 % Zinn und 22 % Quecksilber. Die dazwischen erkennbare weiße amorphe Phase enthält Quecksilber mit maximal 2 % Zinn.

Die neue Zinnamalgamschicht der Fa. Spiegel Art (Bild 2) hat eine Dicke von etwa 110 µm und eine mittlere chemische Zusammensetzung von 60-65 % Zinn und 35 bis 40 % Quecksilber [1].

Originaler Zinnamalgam-Spiegel

Das Fraunhofer Institut untersuchte die originalen und die neu hergestellten Spiegel mit einem Elektronenrastermikroskop.

Die Proben (ca. 5 mm x 5 mm groß) wurden in Epoxidharz eingegossen.

Nach dem Schleifen und Polieren der Oberflächen des Harzes und der darin eingebetteten Glasprobe, konnte die Schicht untersucht werden.

Dabei stellten wir fest, das der Belag der originalen Spiegel 0,08 mm dick ist. Die neuen Spiegel hatten eine Schichtdicke von ca. 0,1 mm.
Daraufhin änderten wir die eingesetzten Materialien und erreichten damit eine Schichtdicke von 0,08 mm. Die Struktur ist ohnehin sehr ähnlich.

Jede der untersuchten Proben sah geringfügig anders aus. Anhand dieser Bilder kann man die neuen von den alten Spiegeln nicht unterscheiden.

Bild 1: Originaler Zinnamalgamspiegel aus dem
Pretiosensaal des Grünen Gewölbes
Neuer Zinnamalgam-Spiegel von Spiegel Art
Bild 2: Neuer Zinnamalgamspiegel der Fa. Spiegel Art  

[1] O. Zywitzki, Fraunhofer Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik, Analysen historischer Spiegel und potentieller Ersatzmaterialien, Wiederaufbau Dresdner Schloss - Grünes Gewölbe, Teilbericht 2 vom 16.01.2004 und Teilbericht 6 vom 17.03.2005

Die Produktion von über 400 m² Historischer Spiegel für das Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss konnte beginnen. Das Zuschneiden der einzelnen Spiegel erfolgte im Grünen Gewölbe. In mühevoller Kleinarbeit entstanden über 1.000 Spiegel. Der kleinste Spiegel hatte eine Abmessung von wenigen Zentimetern, der Größte dagegen 100 cm x 200 cm.
Einige der noch vorhandenen Spiegel waren an der Schichtseite so beschädigt dass sie kaum noch als solche erkennbar waren. Nachdem wir die Schicht entfernt hatten, wurde das Glas geschliffen und poliert. Anschließend belegten wir die Gläser mit der historischen Technologie. Im eingebauten Zustand sind originalen von den restaurierten Spiegeln nur noch an den fehlenden Korrosionsspuren zu unterscheiden.
Für die Montage steht ein erfahrenes Team von 3 - 4 Mitarbeitern zur Verfügung. Das Montage-Team unseres Unternehmens schnitt die historischen Spiegel vor Ort und baute diese in der Zeit von August 2005 bis März 2006 im Grünen Gewölbe ein. Hohe Flexibilität ist eine Grundvoraussetzung für uns.
 

Der Schutz der Mitarbeiter, Personen und Umwelt

Quecksilber ist giftig, dass ist allgemein bekannt. Also stand die Frage im Raum: „Kann man unter heutigen Bedingungen eine solche Produktion wieder aufnehmen?“

Zu Beginn der Arbeiten wurde eine Stellungnahme führender Arbeitsmediziner aus Deutschland erstellt. Herr Prof. Scheuch der Medizinischen Fakultät der Universität Dresden ist als Arbeitsmediziner u. a. auf das Fachgebiet „Umgang mit Quecksilber spezialisiert. Er schreibt: „ ... Das bei Berücksichtigung der Arbeitsschutzmaßnahmen für Räume und Personen die Arbeiten ohne Gefährdung für Personen und Umwelt möglich sind.“ Im Belegraum müssen die Wände durch Fließen und der Fußboden durch eingeschweißten Kunststoff abgedichtet werden. Die Raumluft kann in ihrer Reinheit mit der eines OP-Raumes standhalten. Die arbeitende Person ist durch Atemmaske und Spezialvollanzug geschützt. Die Arbeitsbekleidung wird in einer Schleuse gewechselt. Alle Abfälle, welche durch die Produktion entstehen, aber auch die verschmutzte Arbeitsbekleidung wird in Spezialbehältern gesammelt und von einer Recyclingfirma in Lübeck entsorgt. Beschäftigte, die mit Quecksilber arbeiten, werden regelmäßig auf ihre Gesundheit hin untersucht.
Und schließlich werden in der Mikroelektronik und der chemischen Industrie wesentlich giftigere Stoffe verwendet. Es kommt also darauf an, die Arbeitsschutzrichtlinien genau auszuarbeiten und einzuhalten.

Einhaltung des Arbeitsschutzes mit hohem Aufwand
Foto: Ronald Bonss / Momentphoto.de

Anschließend einige Beispiele aus dem 17./18.Jahrhundert, die den sorglosen Umgang mit Quecksilber beschreiben, der die Ursache für die zum Teil schweren Vergiftungen der Arbeiter aus diesen Gewerken ist. Bei den Recherchen zur Technologie der historischen Spiegelherstellung fanden wir in der Literatur zahlreiche Veröffentlichungen über Thermometermacher, Zahnärzte und andere Berufe in denen Quecksilber verwandt wurde.

Um das Quecksilber zu reinigen, wurde es in Lederbeutel gefüllt und wieder herausgepresst. Die Verunreinigungen blieben im Beutel. Nach einiger Zeit war das Leder brüchig und es war dann nicht mehr zu gebrauchen. Aber Schuhe konnte man aus dem Leder noch herstellen, wie das Buch "Die Fürther Quecksilber - Spiegelbelegen und ihre Arbeiter" aus dem Jahr 1888 berichtet:
„ ... dass die Leute, die sich damit beschäftigen, die Quecksilberreste aus den Beuteln zu pressen, um die Beutel zu verarbeiten ..., nicht selten an Quecksilbervergiftung erkranken. Nach meinen Ermittlungen werden nicht nur von Beutlern, sondern auch von Cartonnage-Geschäften, von Schuhflickern etc. diese Quecksilberbeutel aufgekauft und weiter verarbeitet. So ist es durchaus nichts merkwürdiges, dass der Arbeiter, welcher sich vom Trödler ein Paar Stiefel erhandelt, zu seinem grössten Erstaunen bemerkt, wie das Schuhleder plötzlich von einem Quecksilberüberzug bedeckt wird. Die siegreichen Schweizer trugen nach dem Burgunderkriege goldene Ringe an den Fusszehen, der moderne Proletarier hat wenigstens versilberte Stiefel. - Zur Herstellung der Bleisoldaten, dem in unserem martialischem Zeitalter so beliebten Kinderspielzeug, wird bekanntlich eine Legierung von Blei und Zinn benutzt. Des niedrigeren Preises wegen benutzten die Nürnberger und Fürther Fabrikanten nicht immer reines Zinn, sondern Zinnabfall aus dem Spiegelbelegen, das sogenannte Abzugszinn, das mehr oder minder stark quecksilberhaltig ist. So wird das Gift freigiebig in andere Erwerbszweige getragen ...“

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