Historische Spiegel - Barockspiegel
Eine Besonderheit des historischen Interieurs des Barocks in Europa ist der Einsatz des Spiegels. Die Erfindung des Spiegels war auf Grundlage der Entwicklung des Guss- und Walzverfahrens zur Flachglasherstellung um 1670 in Frankreich erst möglich.
Sie sehen auf dem Foto eines der acht Schatzkammerräume des Grünen Gewölbes, die durch die Entwürfe August des Starken in der Zeit von 1723-1729 entstanden sind - das Silbervergoldete Zimmer. Der Grundgedanke des Kurfürsten für die Schaffung des ersten Museums der Welt lag einerseits in der Aufbewahrung, aber andererseits auch in der Präsentation des sächsischen Staatsschatzes.

Historisches Grünes Gewölbe im Dresdner Residenzschloss, Silbervergoldetes Zimmer Foto: Rainer Boehme, Dresden
August der Starke war von der optischen Wirkung der Spiegel, die er auf der Leipziger Messe gesehen hatte, so begeistert, dass er vier Räume des Grünen Gewölbes mit hohem Aufwand nahezu komplett verspiegeln ließ. Jetzt nach ca. 280 Jahren zeigen die Spiegel gewisse Verfallserscheinungen. Die Spiegel des Grünen Gewölbes gingen größten Teils in den Kriegswirren für immer verloren. Diese mussten, um das Grüne Gewölbe wieder in den Glanz von 1729 zu versetzen, unbedingt ergänzt werden.
Dazu war es notwendig, dass alte Verfahren wieder zu beleben, da die Wirkung der Spiegel von dem eingesetzten Glas und der spiegelnden Schicht abhängig ist. Die heute üblichen Silbernitratspiegel werden der noblen, grauen Raumschließenden Wirkung der Quecksilber-Zinn-Amalgam-Spiegel in keiner Weise gerecht.
Prof. G. Glaser, Sächsischer Landeskonservator i. R. bringt es 2003 auf den Punkt: "Die Kostbarkeiten des Grünen Gewölbes würden vor ihnen (den Silberspiegeln) wie in der Schmuckabteilung eines Kaufhauses wirken."
Meine Aufgabe bestand darin, Spiegel nach der originalen, historischen Technologie wieder herzustellen. Nach umfangreichen Baumaßnahmen, ein geeignetes Labor musste eingerichtet werden, experimentierte ich ab 2004. Mitte 2005 konnte ich dem Fraunhofer Institut Dresden meine ersten Proben zur Untersuchung vorlegen. Unter dem Elektronenmikroskop konnte kein Unterschied zu den noch vorhandenen Spiegeln vom Anfang des 18. Jh. gefunden werden. Diese Spiegel werden genauso altern wie die im 17./18. Jh. gefertigten.
Die Herstellung der Spiegel nach dem alten Verfahren konnte beginnen.
Dresdner Residenzschloss Dresden / Historische Grüne Gewölbe
Der Spiegelbelag – Der große Unterschied
Das Problem:
„Vor herkömmlichen Silber-Nitrat-Spiegeln wirken die
Pretiosen des Grünen Gewölbes wie in einem Kaufhaus“
Prof. Glaser im August 2003

Foto: Ronald Bonss / Momentphoto.de
Der Unterschied zwischen den heutigen und historischen Spiegeln ist vor allem der Belag.
Die optische Wirkung, das Spiegeln an sich, erfolgt immer über das für den Belag verwendete Metall. So spiegelt bei den jetzt gebräuchlichen Spiegeln Silber, bei den bis ungefähr 1900 hergestellten Spiegeln ein Quecksilber-Zinn-Amalgam.
Das belegte Glas spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Farbe und Stärke des Glases beeinflußt die optische Wirkung des Spiegels im geringen Maße, sollte aber bei Restaurierungen beachtet werden.
Der Reflektionsgrad bei den heutigen Spiegeln liegt bei ca. 90 %, bei den damaligen, jetzt historischen Spiegeln, liegt dieser nur bei 60 %. In dem verspiegeltem Raum wirkt das Licht viel gedämpfter, edler.

